2000 – 2008

2000

Völlig unbürokratisch handelte die Stadtverwaltung von Bingen als es im Jahre 2000 um den Wiederaufbau der Feuerwehr in der Partnerstadt Prizren im ehemaligen Jugoslawien ging.

Sofort wurde ein umfangreiches Kontingent an dringend benötigen Gerätschaften und Einsatzkleidung zusammengestellt.
Da eine Ersatzbeschaffung für das TLF 24/50 in der Stützpunktwehr ohnehin anstand, wurde das „alte“ Fahrzeug ebenfalls in die Spendenaktion integriert.
So machte sich im April 2000 ein Hilfsgüterkonvoi auf die Reise.
Einziger Wehrmutstropfen dabei, dass es beim Hersteller des neuen TLF24/50 zu Lieferverzögerungen kam und das neue Fahrzeug erst im November 2000 der Wehr übergeben wurde.

2001

Einen Großeinsatz löste die Bombendrohung für das Altenheim im Stadtteil Bingerbrück im April 2001 aus. In vorbildlicher Zusammenarbeit zwischen zahlreichen Rettungsdiensten und der Feuerwehr konnte das Altenheim zügig und problemlos geräumt werden.
Die anschließende Suchaktion nach der Bombe durch die Spezialisten der Polizei verlief glücklicher Weise negativ.

Nur 4 Monate später ging ebenfalls eine Bombendrohung für das Binger Heilig-Geist-Hopital ein. Auch hier wurde das komplette Krankenhaus mit Unterstützung der Feuerwehr evakuiert.

Nach den Anschlägen vom 11.September in den USA schwappte dann auch die Welle der Angst vor Anschlägen nach Bingen über. In den folgenden Wochen und Monaten musste die Gefahrstoffabteilung der Feuerwehr Bingen häufiger ausrücken um undefinierbare Päckchen und Briefe mit Verdacht auf Milzbrand und ähnlichem zu bergen.

Am 26.Oktober 2001 war wieder ein Freudentag für die Blauröcke in Bingen. Gleich zwei neue Fahrzeuge wurde durch die Oberbürgermeisterin in Dienst gestellt.
Zum einen wurde die DLK 23-12 aus dem Jahre 1977 ersetzt. Zum anderen konnte ein dringend benötigter LKW mit Ladekran durch erhebliche Mittel des Fördervereins im Wert von 185.000 DM an die Wehr übergeben werden.

Im November 2001 erfolgte in einer Initiative zwischen Landkreis und den Kommunen eine großangelegte Hepatitis-Impfung der Feuerwehrleute im Landkreis Mainz-Bingen.

2003

Zu einem Einsatz der eher unangenehmen Art wurde die Feuerwehr Bingen am 01.März 2003 alarmiert. Der anfängliche Brand der Hinterachse eines Sattelschleppers, der schon auf die Ladefläche übergegriffen hatte, entwickelte sich recht schnell zum Gefahrguteinsatz. Nach dem die Erkundung ergab, das der LKW radioaktive Stoffe für medizinische Zwecke geladen hatte.

Die Meldung Brand im NH-Hotel nach Explosion ließ am 28.Juni 2003 nichts Gutes ahnen. Schon auf der Anfahrt war weithin eine dicke schwarze Rauchwolke sichtbar. Der Brand eines Putzmittelraums im 3.Obergeschoß des Gebäudes war dann jedoch schnell unter Kontrolle. Dennoch sorgte der Einsatz in der Presse für Aufsehen da sich die Sängerin „Gitte“ unter den Hotelgästen befand und sich für die Fotografen natürlich gerne noch mal extra „retten“ ließ.

Selbst von Großschadenslagen verschont, wird die Feuerwehr Bingen des Öfteren zur überörtlichen Nachbarschaftshilfe angefordert.
So zum Beispiel bei einem Großbrand am am 05.September 2003 auf dem ehemaligen Bergwerkgelände Amalienhöhe in Waldalgesheim.

2004

Löschen unmöglich – hieß am 01.August 2004. Auf einer Fläche von 150 x 30 Meter und 10 Meter hoch brannten aufgestapelte Heuballen in voller Ausdehnung. Die eingesetzten Binger Wehren beschränkten sich auf den Schutz der Umgebung und ließen das weithin sichtbare Feuer, das zahlreiche Schaulustige in dieser Nacht lockte, kontrolliert abbrennen.

In Sachen Ausbildung ist die Feuerwehr Bingen nicht nur in eigenen Reihen sehr aktiv und so übernahm die Binger seit dem Jahr 2000 die Ausbildung die Kreisausbildung „Bootsführer“ für den Landkreis Mainz-Bingen.
Seither sind rund 60 Feuerwehrangehörige am Standort Bingen in einem 10-wöchigen Lehrgang auf die Prüfung an der LFKS Koblenz mit Erfolg vorbereitet worden. Nur ein einziger Teilnehmer hat das Ausbildungsziel bisher nicht erreicht.
In diesem Zusammenhang wurden im August 2004 von Landrat Claus Schick 4 Feuerwehrkameraden zu Kreisausbildern „Bootsführer“ sowie ein weiterer Feuerwehrmann zum Kreisausbilder „Chemikalien-Schutz-Anzug (CSA) ernannt.

Ein Feuer bei ihrem „Arbeitgeber“ rief die Wehr am frühen Morgen des 06.Dezember 2005 auf den Plan. In einem Büro auf der, von der Stadtverwaltung als Sitz genutzten Burg Klopp, war durch einen technischen Defekt ein Feuer entstanden, das wie so häufig mehr Rauch- als Brandschaden in dem historischen Gebäude verursachte.

2006

Das Thema im Jahr 2006 war wohl „Vogelgrippe“. Da der Altrhein Bingen zu einem der größten Vogelreservate Deutschlands gehört ließen natürlich die Einsätze nicht lange auf sich warten. Ab Februar 2006 rückte man fast täglich zu 1-2 Einsätzen mit toten Vögeln, Enten oder anderen gefiederten Freunden aus. Vorsorglich würden in regelmäßigen Abständen die Rheinauen mit dem RTB abgefahren.

Im August 2006 gab es wieder Personaländerungen in den Binger Feuerwehren. Aufgrund des Erreichens der Altersgrenze schied der langjährige Wehrleiter Kurt Sperling aus dem Amt aus.
In einer Feierstunde am Kameradschaftsabend der Binger Wehren im November 2006 wurde Kurt Sperling ehrenvoll verabschiedet und gleichzeitig zum Ehrenwehrleiter ernannt. Mit Minuten langem Applaus wurde ihm seitens der zahlreichen Gäste für sein Engagement rund im die Feuerwehr gedankt.

Zu seinem Nachfolger wurde Marco Umlauf aus den Reihen der Aktiven Feuerwehrleute gewählt und durch die Oberbürgermeisterin ernannt.

2007

Durch die Wahl des neues Wehrleiters und dem altersbedingten Ausscheiden von Mitgliedern wurden personelle Veränderungen innerhalb der Feuerwehr Bingen Stadt nötig. Und so konnte nach vollzogenen Wahlen im Juli 2007 Bürgermeister Thomas Feser gleich vier neue Führungskräfte ernennen.

Etwas in die Jahre gekommen und auch nicht mehr ganz den heutigen Anforderungen entsprechend konnte im August 2007 der aus dem Jahre 1982 stammende Gerätewagen Strahlen- Atemschutz als Ersatzbeschaffung in Bingen übergeben werden. Der ebenfalls aus den Reihen der Binger Wehr stammende Gefahrstoffzugführer des Landkreises Mainz-Bingen, Wolfgang von Stramberg, hat sich bei den Planungen stark eingesetzt, so dass ein hochmodernes und den Einsatzzwecken entsprechendes Fahrzeug am Standort Bingen vorhanden ist.
Natürlich nutzt das beste ausgerüstete Fahrzeug nichts ohne entsprechend geschultes Personal. Und so sind in Bingen die Schwerpunkte im Bereich der Ausbildung für Atemschutz und Gefahrstoffe entstanden.
In selbst erarbeiteten und aufeinander aufbauenden Modulen werden die Mannschaften aller Binger Wehren auf einen gleichen, modernen Ausbildungsstand gebracht.

2008

Traurige Ereignisse ereilten im April 2008 die Feuerwehr Bingen. Die langjährige Betreuerin des Feuerwehrheims Maria Schätzl verstarb unverhofft am 03.April. Von den Feuerwehrkameraden liebevoll „Mutter“ genannt, kümmerte sie sich über Jahrzehnte um die Bewirtschaftung und Reinhaltung des Feuerwehrheims.

Was eigentlich der fröhliche Jahresausflug der Binger Feuerwehrfamilie werden sollte, hatte schon nach kurzer Fahrt sein abruptes Ende. Auf der Hinfahrt am 12.April erlitt der erst im Jahr 2006 verabschiedete Ehrenwehrleiter Kurt Sperling einen Herzinfarkt, dem er wenig später im Krankenhaus erlag. Aufgrund des einschneidenden und völlig unverhofften Ereignisses wurde der Ausflug sofort abgebrochen.

Ein Großereignis besonderer Art stellte auch die Feuerwehr in Jahr 2008 vor besondere Herausforderungen. Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit und umfangreichen Umbaumaßnahmen, fand vom 18.April bis zum 19.Oktober die Landesgartenschau in Bingen statt. Auf einem 2,7 Kilometer langen Streifen entlang des Rheinufers mit einer Fläche von 24 Hektar, konnten während des gesamten Zeitraumes über 1,3 Millionen Besucher verzeichnet werden.
Neben dem normalen Brandschutz, auf dem gesamten Gelände und dem erhöhten Gefahrenpotential durch die unmittelbare Ufernähe, forderte der Bereich „Park am Mäuseturm“ die Feuerwehr des Öfteren mit Brandsicherheitswachen. Besonderheit hierbei – dieser Teil mit Veranstaltungshalle und Freilichtbühne war durch das Flüsschen „Nahe“ und Bahngleise isoliert. Weiterhin gab es auf dem Gelände keine eigene Löschwasserversorgung, so dass bei Veranstaltungen eine ausreichende Zahl an Löschfahrzeugen und Personal bereit gestellt werden musste. Bei Einzelveranstaltungen waren hier bis zu 40.000 Besucher anwesend.

Im Rahmen der Landesgartenschau fand an zwei Tagen auch die Veranstaltung „Hart am Wind“ statt. Neben der Präsentation von Beruf und Freizeit auf dem Wasser gab es auch verschiedene Wettbewerbe wie Segelregatten.
An beiden Tagen oblag der Feuerwehr Bingen die Verantwortung für die Sicherheit auf dem Wasser und so musste die Feuerwehr auch dem einen oder anderen Wassersportfreund aus misslicher Lage befreien.

Am 09.September konnte die Abteilung „Wasserrettung“ das RTB mit dem Einbau eines Rheinfunkgerätes aufrüsten. Bei unsichtigem Wetter und ab Hochwassermarke 1 ist ein solches Gerät auf dem Rhein vorgeschrieben und erhöhte nun die Sicherheit der Einsatzkräfte. Möglich wurde dies durch die Spende der Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft.

Anfang Dezember 2008 endete die analoge Alarmierungszeit der Binger Feuerwehren. Nachdem zuvor nach und nach alle Stadtteilwehren mit digitalen Meldeempfängern ausgestattet waren, wurde abschließend die Stützpunkt-Feuerwehr mit dieser Technik ausgestattet.

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